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Teil 1: Die „neue“ Rolle „Produktionsleiter/in“ – die Chancen der Komplexität

Was ist ein Produktionsleiter?

Ein Produktionsleiter koordiniert in der Position einer Führungskraft die Produktion eines industriellen Unternehmens. Von einem Produktionsleiter kann zwar auch in der Medienbranche gesprochen werden, gemeint ist in der Regel jedoch der Produktionsleiter in der Industrie. Er ist für den Ablauf der Herstellungsprozesse und die gesamte Organisation der Produktion verantwortlich. Dazu zählt unter anderem die Überwachung aller technischen und wirtschaftlichen Belange und deren effizienter Ausführung. Zu seinem Aufgabenbereich gehört nicht nur der Produktionsprozess allein, sondern auch Einkauf der einzelnen Komponenten und der Vertrieb des fertigen Produkts.

Wie haben sich die Aufgaben eines Produktionsleiters in den letzten Jahrzehnten verändert?

Grundsätzlich war der Produktionsleiter für den reibungslosen Ablauf von Fertigungsprozessen verantwortlich. Dazu zählten die Kontrolle und Wartung der Maschinen, die Planung der Produktionsstraße und die Führung der zugehörigen Mitarbeiter. Darüber hinaus überwachte er den gesamten Produktionsfluss anhand bestimmter Bewertungsparameter und stellte so sicher, dass festgelegte Vorgaben sowie Qualitätsstandards eingehalten und erreicht werden. Die Überwachung inkludierte die Ursachenfindung und Lösung bei auftretenden Problemen. Neben der Überwachung des gesamten Produktionsprozesses gehört auch die Anschaffung oder ordnungsgemäße Stilllegung von Maschinen und Anlagen zu seinem Aufgabenbereich [1] [2].

Ebenfalls Teil des Berufsbildes war der Bericht an die Geschäftsleitung in Form bestimmter Leistungskennzahlen und die in der Regel enge Zusammenarbeit zwischen Produktions- und Geschäftsleitung.

In seiner leitenden Funktion oblag dem Produktionsleiter auch die Personalführung und – in späteren Jahren – die Personalentwicklung. Die gute Ausbildung der Mitarbeiter nahm einen zunehmend wichtigeren Stellenwert ein. Auch heute muss er Mitarbeiter entsprechend anleiten und sollte ihnen den Zugang zu neuem, fachlich relevantem Wissen ermöglichen.

Eine Verbesserung der Arbeitssicherheit und der Arbeitsschutzgesetze hat im Laufe der Jahre zur Veränderung der Verantwortlichkeiten geführt. Heute ist der Produktionsleiter im Rahmen strenger Auflagen für die Sicherstellung der gesamten Arbeitssicherheit seiner Mitarbeiter verantwortlich. Im Rahmen gesetzlicher Vorgaben muss er außerdem auf die Einhaltung von Umweltschutzauflagen achten. Der Produktionsleiter ist deshalb grundsätzlich in enger Abstimmung mit der Abteilungs- und Betriebsleitung, um so den einwandfreien Ablauf innerhalb der Produktionsstätte zu gewährleisten [2].

Industrie 4.0 – welche Auswirkungen hat die digitale Vernetzung auf die Aufgabenbereiche des Produktionsleiters?

Mit dem Einzug der Informationstechnologie in die Unternehmen veränderten sich die Aufgabenbereiche auch für Produktionsleiter. Neben PCs, computerbasierten Anwendungen und der Automatisierung von Prozessen meint der Begriff „Industrie 4.0“ insbesondere die weltweite Vernetzung durch das Internet. Die Digitalisierung nimmt damit einen anderen Stellenwert im industriellen Bereich ein. Das Internet der Dinge, intelligente Produktionsstätten und eine fortschreitende Vernetzung von Maschinen beeinflusst und verändert den Arbeitsalltag eines Produktionsleiters nachhaltig. Die vierte industrielle Revolution wird maßgebliche Veränderungen des Tätigkeitsbereichs mit sich bringen [3].

Zu den alltäglichen Aufgaben eines Produktionsleiters gesellen sich damit weitere Verantwortungsbereiche. Die Bearbeitung von E-Mails gehört mittlerweile zu den Routinetätigkeiten eines Produktionsleiters. Hinzukommt die Kontrolle und Auswertung von Produktionsdaten. Lagerbestände, die einst manuell gezählt wurden, werden jetzt digital erfasst. Bestellungen laufen über das ERP-System, um sicherzustellen, dass alle erforderlichen Materialien zur richtigen Zeit am richtigen Ort in der richtigen Menge zur Verfügung stehen.

Der Aufgabenbereich eines Produktionsleiters hat sich innerhalb weniger Jahrzehnte verändert. Weg von viel körperlicher Arbeit hin zur digitalen Analyse der Produktion, zur digitalen Kontrolle seiner Mitarbeiter und grundsätzlich digitalen Tätigkeiten [4].

Bedeutung der Automatisierung für das Berufsbild des Produktionsleiters

Durch Produktion on Demand und einer stärkeren Vernetzung der internationalen Märkte werden die Anforderungen an Produktionsprozesse steigen. Diese Herausforderungen werden das gesamte Weltwirtschaftsgeschehen [5] beeinflussen. Der daraus resultierende Bedarf an vermehrter Flexibilität wird Produktionen künftig verändern, was sich insbesondere auf die Strukturen, Prozesse und auch Produkte auswirken wird. Der Trend geht hin zu individualisierten Produkten und damit zu mehr Varianten- und Produktvielfalt, die klassische Lagerproduktion wird dadurch und durch „wirtschaftliche Zwänge“, die sich durch den zunehmenden Konkurrenzdruck aus Asien ergeben, sukzessive abnehmen [6]. Auch deshalb müssen Produktionsprozesse differenzierter ausgestaltet werden.

Für Mitarbeiter führt dies zunehmend zu einer Standardisierung der Arbeitsstruktur aufgrund der unterschiedlichen Arbeitsinhalte. Ein Produktionsleiter sollte auf diese veränderten Arbeitsanforderungen reagieren, denn seine Mitarbeiter müssen zunehmend flexibler arbeiten. Dies betrifft nicht ausschließlich die menschliche Arbeitskraft, sondern bezieht sich auch auf die Automatisierung der Produktion durch Maschinen. Intelligente Systeme werden unterschiedliche Aufgaben lösen. Durch die selbststeuernden Systeme wird die körperliche Arbeit von Produktionsarbeitern obsolet. Dennoch werden auch vor dem Hintergrund der Automatisierung menschliche Arbeitskräfte benötigt. Dabei ist der Mensch „integraler Bestandteil“ dieser Veränderung [7].

Weil die Automatisierung gerade in der Flexibilität ihre Grenzen hat [8] , wird ein hoher wirtschaftlicher Input notwendig. Eine effiziente Automatisierung wird dann notwendigerweise flexibel, wenn eine Verknüpfung mit dem Menschen stattfindet.

Der Produktionsleiter übernimmt daher künftig noch mehr delegierende und überwachende Aufgaben. Er muss so viel wie nötig und so wenig wie möglich automatisieren. Er muss bestimmen, an welcher Stelle menschliche Kraft zum Einsatz kommt und wann sich ein Automatismus als die wirtschaftlichere Lösung anbietet.

Herausforderungen eines Produktionsleiters

Die Zukunft wird bestimmt durch „Internationalisierung, nachhaltiges Wirtschaften und energieeffizienten Ressourceneinsatz“ [9]. Dies trifft auch in der Produktion zu. Weil der Living Planet Report 2012 des World Wide Fund For Nature (WWF) feststellt, dass bereits im Jahr 2030 ein zweiter Planet erforderlich ist – gesetzt den Fall der Ressourcenverbrauch geht im bisherigen Tempo weiter [10]. Um wirtschaftliches Wachstum losgelöst von natürlichen Ressourcen zu erreichen, wird Informationstechnologie benötigt.

Der Produktionsleiter muss deshalb auf die Herausforderungen einer flexiblen Produktion eingehen, bei der viele Unternehmen in den gesamten Prozess involviert sind. Dank digitaler Vernetzung kann er die einzelnen Produktionsprozesse besser überwachen und koordinieren.

Und auch das Aussehen von Produktionsstraßen verändert. Sie dienen nicht – wie bisher – der Herstellung eines einzelnen Produkts, sondern funktionieren in Modulen. Umbau und Anpassung solcher Produktionsstraßen mit ihren Modulen wird vom Produktionsleiter geplant und angeleitet.

Weil die On-Demand-Produktion eine immer dominantere Rolle spielt, ist es Aufgabe des Produktionsleiters, die Kommunikation mit dem Kunden zu übernehmen.

Als Produktionsleiter ist er für den korrekten Einsatz und die Nutzbarmachung der vorhandenen Daten verantwortlich. Erhält er beispielsweise durch intelligente Vernetzung wichtige Daten vom Kunden, obliegt es ihm, diese entsprechend zu interpretieren und so die Produktion gegebenenfalls zu verbessern und effizienter zu gestalten.

Zwar berechnen Algorithmen mittels digitaler Vernetzung Lieferwege und Maschinen ordern selbständig neues Material, dennoch bleiben die menschlichen Fähigkeiten notwendig. Ein Produktionsleiter besitzt „motorische Fähigkeiten, (…) Denkfähigkeiten, assoziative Fähigkeiten [und] sensorische Fähigkeiten (…)“ und kann durch seine Flexibilität jene Aufgaben wahrnehmen, die eine Maschine nicht bewältigt [11].

Chancen für Unternehmen und Produktionsleiter

Beim Produktionsleiter laufen die Fäden der gesamten Produktionskette zusammen. Als Verantwortlicher für die reibungslose Fertigung sowie die Sicherstellung der Qualität besitzt er eine Schlüsselposition, in der sich die Rentabilität des Unternehmens widerspiegelt. Deshalb ist er – auch wenn bestimmte Arbeitsabläufe zunehmend automatisiert wird – noch immer in der Kontrollfunktion. Unternehmen profitieren daher vor allem wirtschaftlich von guten Produktionsleitern.

Quellen

[1] https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/archiv/15912.pdf
[2] https://refa.de/berufe/produktionsleiter
[3] https://www2.iao.fraunhofer.de/images/iao-news/produktionsarbeit-der-zukunft.pdf S. 2
[4] https://www2.iao.fraunhofer.de/images/iao-news/produktionsarbeit-der-zukunft.pdf S. 2
[5] https://www2.iao.fraunhofer.de/images/iao-news/produktionsarbeit-der-zukunft.pdf S. 42
[6] https://www2.iao.fraunhofer.de/images/iao-news/produktionsarbeit-der-zukunft.pdf S. 52
[7] https://www2.iao.fraunhofer.de/images/iao-news/produktionsarbeit-der-zukunft.pdf S. 53
[8] https://www2.iao.fraunhofer.de/images/iao-news/produktionsarbeit-der-zukunft.pdf S. 42
[9] https://www2.iao.fraunhofer.de/images/iao-news/produktionsarbeit-der-zukunft.pdf S. 42 ff.
[10] https://www2.iao.fraunhofer.de/images/iao-news/produktionsarbeit-der-zukunft.pdf S. 53
[11] https://unternehmer.de/management-people-skills/129346-7-faktoren-fuer-eine-erfolgreiche-fuehrung-in-der-produktion

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